Förderschwerpunkt Sehen

Unser Ziel ist es, Kindern mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit eine optimale Teilhabe in allen Bildungsphasen zu ermöglichen. Um Sie als Eltern oder Fachkräfte an anderen Einrichtungen in diesem Prozess zu unterstützen, finden Sie hier eine kompakte Übersicht mit wichtigen Fachinformationen zum Förderschwerpunkt Sehen.

Was ist eine Sehbeeinträchtigung?

Ob ein Mensch „normal“ sieht, sehbeeinträchtigt oder blind ist, lässt sich nicht immer strikt trennen, da die Bereiche ineinander übergehen. Um den Grad der Einschränkung festzustellen, nutzt man meist den sogenannten Visus. Ein voller Visus von 1,0 steht dabei für eine Sehkraft von 100 Prozent.

Von einer Sehbeeinträchtigung spricht man dann, wenn die Sehschärfe dauerhaft verringert ist und eine Brille allein nicht ausreicht, um wieder eine normale Sicht zu erreichen.

Wichtig: Wie gut jemand trotz Sehbeeinträchtigung durch das Leben geht, lässt sich nicht allein an den Visus-Werten ablesen. Es kommt stark darauf an, welche Wege und Methoden die Person für sich findet, um die vorhandenen Einschränkungen zu kompensieren.

Anzeichen für eine Sehbeeinträchtigung

Die Anzeichen für eine Sehschädigung sind nicht so leicht zu erkennen. Daher ist es wichtig, das Verhalten Ihres Kindes gut zu beobachten. Meistens zeigt sich die Beeinträchtigung in einfachen, alltäglichen Situationen wie zum Beispiel:

  • fehlende Orientierung

  • Konzentrationsprobleme

  • Mit der Nase „lesen“ (sprich: ganz nah ans Blatt herangehen)

  • Daneben schauen beim Beobachten eines Gegenstandes

  • Nystagmus (Augenzittern)

  • Schielen

  • Verdrehen des Kopfes oder Oberkörpers

  • Zusammenkneifen der Augenlider

  • Augenschmerzen und -reiben

  • Blinzeln und Zwinkern

  • Schließen eines Auges

  • Lichempfindlichkeit

  • Kopfschmerzen

  • Farben verwechseln

  • Linien übermalen/überschreiben

  • Auffälligkeiten beim Ausschneiden

  • Lese-Unlust

  • Stolpern, Anstoßen

  • Auffälligkeiten beim Sport wie zum Beispiel Probleme beim Ballfangen

Diagnostik an der LVR-Karl-Tietenberg-Schule

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht jedes einzelne Kind. Deshalb bildet eine ganzheitliche Analyse des Funktionalen Sehens und der individuellen Entwicklung die unverzichtbare Basis für jede weitere Unterstützung und Begleitung – sei es in der Frühförderung für die ganz Kleinen, oder an unserer Förderschule oder im Gemeinsamen Lernen an allgemeinen Schulen.

Aber was bedeutet "Funktionales Sehen"?

Während eine Augenärztin oder ein Augenarzt im Testraum die reine Sehschärfe (den Visus) bestimmt, betrachtet das funktionale Sehen die Praxis: Wie setzt ein Mensch seine Augen im täglichen Leben tatsächlich ein?

Es geht also um die Fähigkeit, das Gesehene in echten Situationen – etwa im Unterricht oder im Straßenverkehr – gewinnbringend zu nutzen. Im Kern klärt dieser Begriff, wie gut die vorhandene Sehkraft dabei hilft, tägliche Herausforderungen selbstständig zu meistern.

Was umfasst Funktionales Sehen?

Funktionales Sehen ist ein umfassender Begriff, der verschiedene Aspekte der visuellen Wahrnehmung und Verarbeitung einschließt:

  • Sehschärfe (Visus): Wie klar oder scharf sieht das Kind?

  • Gesichtsfeld: Wie groß ist der Bereich, den es sieht, ohne die Augen zu bewegen (zum Beispiel Tunnelblick oder Einschränkungen)?

  • Farbensehen: Kann das Kind Farben erkennen und unterscheiden?

  • Kontrastsehen: Kann es Helligkeitsunterschiede wahrnehmen (wichtig zum Beispiel bei Stufen oder gedrucktem Text)?

  • Adaptation: Kann es sich an wechselnde Lichtverhältnisse (von hell nach dunkel und umgekehrt) anpassen?

  • Visuelle Wahrnehmung: Wie werden die gesehenen Informationen im Gehirn des Kindes verarbeitet und interpretiert (zum Beispiel Formen erkennen, räumliche Tiefe einschätzen)?

  • Visuell-motorische Koordination: Wie funktioniert das Zusammenspiel von Sehen und Bewegung beim Kind (zum Beispiel beim Greifen, Schreiben oder Laufen)?